viel lärm um nichts

Viel Lärm um Nichts – die Borderline Störung

Die Borderline Erkrankung zählt zu den Persönlichkeitsstörungen und birgt erhebliche emotionale und soziale Defizite. In den letzten Jahren wird sie immer häufiger diagnostiziert und auf Grund ihrer schlechten Prognose auch zum Volkswirtschaftlichen Problem. Im jungen Erwachsenenalter wird die Problematik erstmals sichtbar.

Fordernde Beziehungsmuster, emotionale Krisen und verringerte Leistungsfähigkeit prägen diese Entwicklungsphase. Dazu kommt ein exzessives, impulsives und rücksichtsloses Verhalten, das andere verunsichert. Beginnen sie sich zu distanzieren und Grenzen zu setzen, wird der „borderline“ Erkrankte erst recht wütend und drohend.  

Im Grunde ihres Herzens glauben Menschen mit einer „Borderline Erkrankung“ keine Liebe und Anerkennung zu verdienen. Dennoch benötigen sie immer wieder Bestätigung von „Außen“, um ihren geringen Selbstwert regulieren zu können. Bekommen sie Bestätigung, dann hält dies nicht lange an, weil ihrerseits rasch wieder Zweifel aufkommen. Der Partner ist nun vor eine schwierige Aufgabe gestellt, weil die Aufmerksamkeit nie genug ist bzw. rasch wieder in Vergessenheit gerät. Nun muss er oder sie sich noch mehr anstrengen und „verbiegen“, um den Erwartungen gerecht zu werden. Dadurch kommt es zu einem sukzessiven Energieverlust beim Beziehungspartner oder Angehörigen.  

„Borderline“ Erkrankte sind weiters inneren „Leerezuständen“ ausgesetzt, die sie als existentiell bedrohlich erleben. Um sich von diesen schmerzhaften und ängstigenden Gefühlen abzulenken ist der Borderliner bereit alles zu tun. Auch Waghalsiges und Riskantes für Leib und Leben. Er möchte seinen Geist betäuben, um diese Gefühle nicht mehr spüren zu müssen. Dazu zählen Alkohol- und Drogenexzesse, sexuelle Ausschweifungen, Kaufräusche, Machtphantasien, schnelle Fahrzeuge und riskante Sportarten. Höher, schneller, spannender. Danach ist der Borderliner aufgeladen bis es zum nächsten Gefühlszustand kommt, der ihn wieder „runterzieht“.  

Die Partnerbeziehungen sind für einen emotional instabilen Menschen überlebenswichtig. Zuerst wird der Partner/Partnerin idealisiert und in eine symbiotische Beziehung hineingezwungen. Durch das Verschmolzen-Sein spürt der Betroffene seine Selbstunwertgefühle weniger und kann von den Gefühlen des anderen mitpartizipieren. Er beginnt in der Identität des anderen voll aufzugehen – mag das gleiche Essen, hat die gleichen Vorlieben, das gleiche Vergnügen. Ein Vogelflug der besonderen Art beginnt. Völliger Gleichklang, Symmetrie, tiefes Empfinden, ein aufeinander abgestimmt sein bis zu dem Moment, in dem der „Borderliner“ etwas wahrnimmt, das diese Idylle stört. Realitäten des Alltags, die in die Welt eines Borderline Erkrankten nicht hineinpassen. Das Phantasieland kracht zusammen oder wird besetzt von anderen störenden Menschen, für die er sich nicht interessiert. Da die Bindungsfähigkeit und das Einfühlen in andere deutlich herabgesetzt ist, sieht der „Borderliner“ ausschließlich die Schuld beim Anderen, der nicht halten konnte, was er vorher idealisierter Weise, versprochen hat. Schuldgefühle oder Gewissensbisse existieren demzufolge nicht. Das Gegenüber wird zu gegebenen Zeitpunkt fallengelassen und ein neues Objekt gesucht, das den Erwartungen nach Aufopferung und „Rundum-Versorgung“ besser entspricht.

Dieser Lebensstil beinhaltet enorm viele Abbrüche und Neubeginne. Menschen werden idealisiert und wieder verstoßen. Wohnungen bezogen und wieder verlassen. Jobs gewechselt. Das Lernpotential ist gering und der „Borderliner“ hinterlässt neben viel verbrannter Erde auch irritierte Menschen, die nie vermutet hätten, dass trotz intensiver „Beginnphase“ keinerlei Gefühle mehr da waren, um die Beziehung auf normale Art und Weise fortsetzen zu können. Das anfängliche überschwängliche Liebesgefühl wurde bereits nach wenigen Monaten von kritischen und herabsetzenden Bemerkungen abgelöst. „Viel Lärm um Nichts !“ würde Shakespear sagen.      

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über ihren Beitrag!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>