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Integratives Wohnen im Alter – ein italienisches Dorf zeigt es vor

Italien hat den höchsten Anteil an betagten Menschen innerhalb der EU. In wenigen Jahren werden 40 Prozent der ItalieneInnen 65 Jahre alt sein. Das Land muß also lebenswerte Alternativen zu herkömmlichen Altersheimen entwickeln.

Mario Tommasini, italienischer Sozialpsychiater und Weggefährte Franco Basaglias, war bekannt durch seine ungewöhnlichen Arbeitsmethoden und hat mit seinem Projekt zur sozialen Integration älterer und pflegebedürftiger Menschen Spürsinn bewiesen. Im norditalienischen Bergdorf Tiedoli wurde sein gut durchdachtes sozialtherapeutisches Konzept erfolgreich umgesetzt.

Das Dorf, das überaltert und vom Aussterben bedroht war, lief Gefahr in völlige Vergessenheit zu geraten. Die teils pflegebedürftigen Alten des Dorfes sollten ins nahegelegene Pflegeheim nach Borgotaro gebracht werden.

Wenn soziale Beziehungen unterbrochen werden, kann dies zu verheerenden Folgen für die physische und psychische Gesundheit führen.

… so die Genueser Soziologin Carla Constanzi. Und weiter:

Ohne die Alten würde die Region eines Teils ihrer gewachsenen Kultur, ihrer Erinnerung und ihrer Traditionen beraubt.

Nach altersgerechtem Umbau einiger Häuser des Dorfes und Einstellung einiger Altenpfleger sind nicht nur die älteren Menschen im Dorf geblieben sondern auch die Jungen wiedergekommen. Auch andere Menschen der Region, die Betreuung benötigen und sonst im regulären Altenheim gelandet wären, bevölkern nun das Bergdorf.

In Tiedoli bestimmen die Menschen ihren Alltag selbst. Sie bewegen sich frei in ihrer eigenen Wohnung und treffen sich in Gemeinschaftsräumen. Dadurch sind sie keinen rigiden Regeln unterworfen, die zwangsläufig zum Konflikt mit eigenen Bedürfnissen führen. Der Umgang mit dem einzelnen Bewohner ist individuell und flexibel gestaltet.

Copyright für Fotos:  Wolfgang Krammer

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